Kuno Staudenmaier,
Eine „Bank gegen Ausgrenzung“ an der Gmünder Grabenallee

Schwäbisch Gmünd. Sie steht an einem symbolträchtigen Ort und ist selbst Symbol: Die „Kein-Platz-für-Ausgrenzung-Bank“ an der Grabenallee, in unmittelbarer Nachbarschaft zur „Treppe ins Nichts“ und mit weiteren Bezügen: Am Josefsbach hat das Flüchtlingsboot angelegt, an der Waldstetter Brücke erinnert das Torhaus an die Vertreibung und dazwischen zeigen sich die Gärten der Partnerstädte.

Die Bank „Kein-Platz-für-Ausgrenzung“ ist eine Spende von Dr. Werner Schlummer und soll Gedankenanstoß sein, gleichzeitig ein Ort zum Verweilen. Die Rückenlehne ist länger als die Sitzfläche, eine Einladung für Menschen mit Handicap, sich im Rollstuhl neben anderen auf der Bank niederzulassen. „Es geht nicht nur um Behinderung und Nicht-Behinderung“, sagt der Spender. Es gehe um die Ausgrenzung insgesamt, wegen einer Krankheit, wegen Behinderung, wegen Armut, Obdachlosigkeit, Religion oder Hautfarbe.

Im Beisein des Ersten Bürgermeisters Christian Baron wurde die Bank jetzt enthüllt und für die weitere Nutzung freigegeben. Dr. Werner Schlummer, sagt der Bürgermeister, habe mit seiner Spende ein wichtiges Thema angestoßen. „Die Meile hier zeigt, wofür Schwäbisch Gmünd steht“. Alle seien willkommen, ob sie aus Göppingen, vom Flüchtlingsboot oder aus einem Kriegsgebiet kommen. „Gmünd ist eine Mitmachstadt“, stellt Christian Baron klar. Und der Verein „Kommune Inklusiv“ sei mittendrin.

Baron berichtete den Gästen der Bank-Übergabe, wie ein Geflüchteter aus der Ukraine hier im Schönblick Hilfe erfahren, gleich die deutsche Sprache gelernt hat und als IT-Fachmann inzwischen hier schon ein gefragter Mann ist. Ganz besonders dankt der Bürgermeister dem Spender Dr. Werner Schlummer. Dieser engagiere sich seit vielen Jahren in der Stadt, beim Himmelsstürmer, bei den „Herzenswegen“ und der Kommune Inklusiv.

Die Idee zu dieser Spende, berichtet Dr. Werner Schlummer, stamme von Michael Kleinen, heute in der Öffentlichkeitsarbeit der Lebenshilfe Heinsberg tätig. Zuvor war Kleinen studentische Hilfskraft am früheren Wirkungsort von Dr. Werner Schlummer. Die Idee für die Parkbank aus geöltem Lärchenholz entstand dort schon 2020 im Rahmen des Langzeitprojektes „Kultur ohne Barrieren“, unterstützt durch die Aktion Mensch. Produziert wird sie in der Schreinerei „DeinWerk gGmbH“, eine Lebenshilfe-Werkstatt für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen in Heinsberg.

„Mittlerweile“, sagt Michael Kleinen, „sind bundesweit und auch in weiteren europäischen Ländern nahezu 1000 Bänke aufgestellt: von Aachen bis Berlin, Hamburg bis München, in Frankreich (Le Mont Saint Michel), Thessaloniki (Griechenland), in Kiew (Ukraine). Die 1000. Bank wird in der kommenden Woche an einem Gebäude der Europäischen Union in Brüssel aufgestellt.

Die Stadt Schwäbisch Gmünd reihe sich als „Kommune Inklusiv“ in diese europäische Aktion ein und unterstreiche dadurch, was die Bürgerinnen und Bürgerschon 2019 mit der „Gmünder Charta der Gemeinsamkeiten“ initiiert haben. Die Hauptaussage damals lautete: Schwäbisch Gmünd ist Heimat für alle Menschen.

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