Heike Bareiß (Sonderschullehrerin) ,
Artikelserie - 6. Gelungene Inklusion im Bereich Arbeit
Wertvolle Arbeitskräfte trotz Einschränkungen
„Wie schön, dass unsere fleißigen Helfer wieder da sind.“ Mit diesen Worten begrüßt Sigi, ein Mitarbeiter des Garten- und Friedhofsamtes, die Schüler der Berufsvorbereitenden Einrichtung Schwäbisch Gmünd (BVE). Jeden Mittwoch und Donnerstag arbeiten eine Gruppe mit ihren Lehrern Heike Bareiß und Thomas Graf (Klosterbergschule), sowie Konstantin Boschmann (Martinus Schule) und die Stadtmitarbeiter Hand in Hand auf den städtischen Friedhöfen. Im Frühling und Sommer werden die Rasenflächen gemäht, die Hecken geschnitten und das Unkraut an den vielen Wegen entfernt. Im Herbst werden Unmengen von Laub mit Rechen zusammengekehrt und mit Schubkarren zu den bereitgestellten Containern transportiert. Für die Mitarbeiter der Stadt eine dankbare Unterstützung. Für die Schülerinnen und Schüler der BVE eines von vielen schulischen Angeboten zur Förderung von Schlüsselqualifikationen, wie Ausdauer, Motivation, Team- und Konfliktfähigkeit oder Sorgfalt, welche für das Berufsleben von großer Bedeutung sind.
Die Berufsvorbereitende Einrichtung Schwäbisch Gmünd (BVE) ist eine Maßnahme für Schülerinnen und Schüler mit Einschränkungen und dient der beruflichen Qualifizierung, sozialen Eingliederung und Übergangsbegleitung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Ziel ist es, junge Menschen mit besonderem Förderbedarf umfassend auf das Leben als Erwachsene vorzubereiten. Im Rahmen der Berufsschulpflicht werden individuelle Kompetenzen gefördert und der Übergang in das Arbeitsleben praxisorientiert begleitet.
Ein zentraler Schwerpunkt dieser Maßnahme sind Betriebspraktika, welche den Schülern die Möglichkeit geben, Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln und sich den realistischen Anforderungen an einen Arbeitsplatz zu stellen. Die Klassenlehrerin Heike Bareiß, verantwortlich für die Praktikumsakquise- und Begleitung, ist dankbar für jeden Betrieb, der ihren Schülern eine Erprobung in der Arbeitswelt ermöglicht. Der Lernzuwachs und die Persönlichkeitsentwicklung in einem dreiwöchigen Blockpraktikum sind unglaublich hoch. Die Schüler stehen morgens ungewohnt früh auf und bewältigen eine neue Fahrstrecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Praktikum. Sie werden im Betrieb mit fremden Kollegen und Arbeitsabläufen konfrontiert, müssen viele neue Informationen im Laufe eines Tages speichern und kommen körperlich, oft durch einen achtstündigen Arbeitstag, zunächst sehr an ihre Grenzen.
Die meisten Schüler halten jedoch nicht nur ein dreiwöchiges Blockpraktikum in den Betrieben durch, sondern bekommen, auch durch viele positive Rückmeldungen seitens der Betriebe, ein unschätzbares Selbstvertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten bzw. entdecken völlig neue Ressourcen. So auch Nico, ein Schüler der BVE. Er arbeitet gern mit Holz und absolviert seit über einem Jahr ein Langzeitpraktikum bei der Firma Mugele in Brainkofen. Dort arbeitet er in der Herstellung von Transportverpackungen aus Holz für Land- Luft- und Überseeversand. Nico bewältigt problemlos den Anfahrtsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ist stets pünktlich und sein Chef bezeichnet ihn als „motiviert und fleißig“.
Das Motto der BVE: „Erst platzieren, dann qualifizieren.“ Wenn der Praktikumsbetrieb und der Schüler gut miteinander harmonieren, entwickelt sich oft ein Langzeitpraktikum, bei welchem der Schüler über mehrere Monate im Betrieb angeleitet wird. Ziel ist es, dass neue Arbeitsinhalte erlernt und gelernte Arbeitsschritte automatisiert werden. Durchhaltevermögen, Belastbarkeit sowie berufliche Orientierung stehen dabei im Vordergrund. Die meisten Schüler der BVE zeigen über Monate in den Betrieben eine konstant gute Leistung und arbeiten hoch motiviert auf das Ziel hin, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Eine solche Chance wird realisiert, wenn die Mitarbeiter eines Betriebes erkennen, dass der Praktikant, trotz seiner Einschränkungen, zu einer wertvollen Kraft geworden ist, auf den sie nicht mehr verzichten möchten. Und der Praktikant im Betrieb „angekommen“ ist, sich dort akzeptiert fühlt und bereit ist, im Rahmen seiner Möglichkeit seine ganze Arbeitskraft einzusetzen.
Ansprechpartnerin bei Fragen:
Heike Bareiß (Sonderschullehrerin)
Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE) Schwäbisch Gmünd
Heidenheimer Str. 1
73529 Schwäbisch Gmünd