Stephan Schlegel,
Merk-Würdig "Alltagsgeschichten"

Neulich an der Supermarktkasse. Ich begleite Herrn W. zu seinem wöchentlichen Einkauf und stehe hinter ihm an der Kasse. Herr W. kann nur eine Hand benutzen, deshalb dauert es etwas länger, wenn er seine Lebensmittel auf das Band legt und danach wieder in seinen Einkaufstrolli packt.

Meistens werden die Menschen, die in der Schlange hinter Herr W. stehen, schnell ungeduldig und haben es eilig. Dies konnte ich schon häufig bei begleiteten Einkäufen unserer Klienten beobachten.

Heute kommt es anders.  Ein Mann mit Cowboystiefeln und Goldkettchen um den Hals tritt neben Herrn W. und beginnt ungefragt dessen Einkäufe in Herrn W.s Trolli zu verstauen. Mein erster Gedanke war: jetzt gibt es Probleme und ich muss einschreiten.

Mein erster Eindruck hat mich getäuscht. Der Mann mit den Cowboystiefeln und dem Goldkettchen war weder genervt, noch hatte er es eilig. In dieser Situation hat einfach ein Mensch einem anderen Menschen unaufgefordert geholfen. Trotz Kontakteinschränkungen durch Covid- 19 und einer großen Angst vor Infektionen bewahren sich viele Menschen ein Mitgefühl für Solidarität und Gemeinschaft.

Diese Begebenheit wurde von einem Kollegen beobachtet und mir am selben Tag erzählt. Es hat ihm einen schönen weiteren Tag beschert, weil er sich darüber gefreut hat.

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